Lernreise

Linse

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Linse (lens culinaris)

Die Linse gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Schon früh spielte sie eine wichtige Rolle in der Ernährung, da sie sich besonders gut haltbar machen lässt, vor allem durch Trocknen oder Einkochen. Damit ist sie ein anschauliches Beispiel für traditionelle Methoden der Haltbarmachung von Lebensmitteln.

Synonyme, Zeitpunkt, Standort

Linsen im Wandel der Zeit Herkunft, Haltbarkeit und Bedeutung einer alten Kulturpflanze

Die Linse gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt. Schon vor etwa zehntausend Jahren wurde sie in Südwestasien angebaut (vgl. Liber/Duarte/Maia & Oliveira 2021). Dazu gehört der sogenannte „fruchtbare Halbmond“, eine Region im Nahen Osten, die Teile des heutigen Irak, Syriens und der Türkei umfasst. Von dort aus verbreitete sich die Linse in der Antike rund um das Mittelmeer. Sie liefert wichtige pflanzliche Proteine und war lange haltbar. Das war besonders wichtig, als es noch keine Kühlschränke gab.
Getrocknete Linsen können viele Monate, oft sogar Jahre gelagert werden, ohne deutlich an Nährwert zu verlieren. Außerdem lassen sie sich gut einkochen und als Vorrat aufbewahren. So stehen sie das ganze Jahr über als nahrhafte Lebensmittel zur Verfügung.
Heute kommen viele Linsen im Handel aus Nordamerika, Indien, der Türkei und Australien. In Deutschland wurden sie früher vor allem auf kargen Böden der Schwäbischen Alb in Süddeutschland angebaut. Weil der Anbau arbeitsintensiv war und die Erträge vergleichsweise gering ausfielen, verschwand er hier zwischenzeitlich fast vollständig. Heute stammen nur etwa 4 % der in Deutschland verzehrten Linsen aus heimischem Anbau (vgl. Hahn 2024).
Inzwischen wächst jedoch das Interesse am regionalen Linsenanbau wieder. Auf der Schwäbischen Alb werden traditionelle Sorten angebaut, die als „Alb-Leisa“ bekannt sind. Auch verschiedene Forschungs- und Anbauprojekte zeigen, dass alte Kulturpflanzen wie die Linse wieder an Bedeutung gewinnen:
• WiLGeR wird vom vom Julius Kühn-Institut koordiniert und fördert den Anbau von Winterlinsen für den ökologischen Mischfruchtanbau (vgl. ebd.).
• LinSel war ein Projekt der Universität Hohenheim mit dem Ziel, den Linsenanbau in Deutschland insgesamt zu steigern und traditionelle Sorten wieder stärker in die Landwirtschaft zu integrieren (vgl. Universität Hohenheim 2024).
• LINSE wird von der Hochschule Osnabrück umgesetzt und möchte Hülsenfrüchte in der Außer-Haus-Verpflegung attraktiver machen und die Linse als Kulturpflanze besser etablieren (vgl. Hochschule Osnabrück 2026).
So verbindet die Linse Tradition und Zukunft: Als robuste, nährstoffreiche Kulturpflanze spielt sie nicht nur in der Geschichte der Landwirtschaft eine wichtige Rolle, sondern gewinnt auch für eine nachhaltige und regionale Ernährung wieder zunehmend an Bedeutung.

Steckbrief Linse und Rezept mit Linsen

Arbeitsauftrag

Lebensmittel haltbar machen – früher und heute

Anders als heute, wurde früher hauptsächlich saisonales regionales Obst und Gemüse gegessen. Warum ist das heute anders, was wurde gegessen und wie wurden früher Nahrungsmittel haltbar gemacht? Hierzu empfehlen wir das Modul 15 „Welches Gemüse und welches Obst aßen Uroma und Uropa im Winter?“. Eine Vorlesegeschichte zeigt, wie früher Lebensmittel haltbar gemacht wurden. Das Material gibt es als Download auf der Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): https://www.ble-medienservice.de/3388-3-fuer-gemueseforscher-und-obstdetektive.html

Quellen

Bundeszentrum Kita- und Schulverpflegug (Hg.)(2025): „Projekt LINSE – Umfrage für mehr Hülsenfrüchte auf dem Teller“. https://www.gemeinsamgutessen.de/service/aktuelles/projekt-linse-umfrage-fuer-mehr-huelsenfruechte-auf-dem-teller [2026-02-02]

Hahn, S./Julius-Kühn-Institut (2024): „Neues Projekt will Linsenanbau in Deutschland wiederbeleben“. https://idw-online.de/de/new833306 [2026-02-12].

Liber, M./Duarte, I./Maia, A. T. & Oliveira, H. R. (2021): „The History of Lentil (Lens culinaris subsp. culinaris). Domestication and Spread as Revealed by Genotyping-by-Sequencing of Wild and Landrace Accessions“. In: Front. Plant Sci. 12: 628439. doi: 10.3389/fpls.2021.628439.

Hochschule Osnabrück (Hg.)(2026): „LINSE: Leguminosen für eine suffiziente Ernährung“. https://www.hs-osnabrueck.de/transformative-ernaehrungs-und-konsumsysteme/forschung/ [2026-02-12].

Universität Hohenheim (Hg.)(2024): „LinSel – Selektion geeigneter Sortentypen von Linsen (Lens culinaris) für nachhaltige Anbausysteme“. https://oeko.uni-hohenheitm.de/forschungsprojekt_linsel [2026-02-12].